Kein Experte
26. Februar 2008

Wirklich nicht so toll. Denn wer die volle Punktzahl erreicht, der hat normalerweise ja gar keine Ahnung. Hätte ich konsequent jede Frage falsch beantwortet, könnte man mir ja großes Wissen attributieren.
Aber so muss ich mit diesem verheerenden Ergebnis Raum für die Nullpunkt-Spezialisten lassen.
Wer den Test übrigens selbst durchführen möchte, klickt hier.
Zugebannert
25. Februar 2008
Also, jetzt mal im Ernst.
Dass Werbung sprachlich nicht immer einwandfrei sein muss, ist alles noch verständlich und innerhalb der Toleranzgrenze. Aber was einem da so auf manchen Webseiten entgegen blinkt… – aber seht selbst:

Hier schien man sich nicht einigen können, in welcher Form man den Betrachter nun anreden soll. Die schmerzvolle Frage nach „Du“ oder „Sie“ braucht so nicht beantwortet werden. Zur Not nimmt man halt eben beides. Muss ja dann auch passen.
Und: Ja. Ich hab das Spiel gespielt. Ich kann das nicht ab. Ich habe immer einen notorischen Drang diese Werbe-Spiele à la „outdrink the frat boy“ oder „play arkanoid to collect money“ zu spielen. Und ich weiß nicht, wieso. Sie sind billig, primitiv und viel zu leicht. Aber irgendwie führt kein Weg dran vorbei. Es ist einfach eine Art von Sucht. Es ist völlig egal, ob ich das Spiel schon zehn Mal gespielt habe. Immer und immer wieder. Und dann, ja, dann gewinnt man. Und ist genervt. Weil sich ein Pop-Up-Fenster öffnet, was man dann schließen muss. Was ja von vorne herein klar war. So eine verzwickte Lage.
Verschreibungspflichtig
20. Februar 2008
Sind Tabletten. Manche. Die, die man halt nicht einfach so bekommt. Verschreiben kann man aber auch etwas anderes. Sich. Sich verschreiben. Etwas falcsh schreiben. Wenn man wie ist ich und schreiben nicht so toll findet wie tippen, dann vertippt man sich. Aber generell verschreibt man sich. Dann gibt es natürlich noch all den tollen Wissenschaftskrimskrams, der wirklich Erstaunliches zu Tage gefördert hat. Beispiel gefällig? Bereit für ein wahnwitziges wissenschaftliches Experiment? Schutzbrille aufgesetzt und ab die Post:
„Ncah enier Stidue an der elingshccen Uävirrrrressstint Cmabrdige ist es eagl, in wlehcer Riehnefgoe die Bcuhtsbaen in eniem Wort sethen. Dad eniizg Wcihitge ist, dsas der estre und der lzette Bsthucabe am rcihhgiten Paltz snid. „
Aells vrestnaden? Knorke, gell?
Aber davon mal abgesehen. Eines dieser verschreibfreudigen Worte ist Deutschland. Das hat immerhin elf Buchstaben. Und somit auch elf Fehlerquellen!
Ich persönlich bin unentschieden. Hin- und hergerissen, quasi. Ich schwanke noch stark zwischen Detuschland und Deutschalnd. Früher war ich ein Hardcore-Deutschalnder, aber jetzt merke ich: Nanu, ich werde immer mehr zum Detuschen!
Aber was ist eure favorisierte Verschreibweise von Deutschland? Kommentiert mal.
Apropos Verschreibweise! Ich dachte ja zunächst, Verschreibweise wär so ein irre cooler Neologismus, auf den ich jetzt ein Patent anmelden und steinreich werden kann. Aber nein, da musste mir mal wieder jemand die Erfindung vor der Nase wegschnappen.
Denn der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger empörte sich, Richtlinien über die ökonomische Verschreibweise von Heilmitteln und Heilbehelfen festzulegen.
So eine Schmach! Und ausgerechnet die Österreicher! Undankbares Volk! Was wir schon alles für euch gemacht haben! Wir nehmen eure schlechtesten Maler, machen sie zu Diktatoren und lassen sie sich sechs Jahre lang in Europa austoben. Und wer darf den Dreck wegräumen? Wer macht das schon außer uns? Und dann wird einem eine tolle Wortneuschöpfung vor der Nase einfach weggeklaut! So eine Schweinerei aber auch.
Wer bin ich eigentlich?
20. Februar 2008
Ja, ja. Es gibt sie ja, diese Fragen, die man absolut nicht gefragt werden will. Man möchte den Fragenden verletzen, in einen Zustanden permanenten Schmerzes versetzen, ihn verurteilen und geißeln, teeren, federn und ihn zwingen die gesamte Diskographie der Kastelruther Spatzen durchzuhören.
Diese Fragen, bei denen eine schnelle und einfache Beantwortung unmöglich scheint, die zu beantworten ein Lebenswerk ist. Ja, eben diese Fragen.
Jetzt kommen wir zum Klassiker, dem Allroundtalent in dieser Kategorie.
„Wer bist du?“
Wer ich bin? Wer ich bin? Woher zur Hölle soll ich wissen, wer ich bin?
Leute schreiben Biographien, machen jahrzehntelange Recherchen um Herauszufinden, wer eine Person ist, wie sie ist und funktioniert. Und ich soll in einem kurzen Statement mein Wesen wiedergeben?
Wie beantwortet man so eine Frage? Ich bin Mario Dederichs, 19, Oberstufenschüler an einem Sankt Augustiner Gymnasium? Kennt man mich dann? Würde man auf der Straße dann sagen „Aha, das ist Mario Dederichs, 19, Oberstufenschüler an einem Sankt Augustiner Gymnasium.“? Was sagt das über mich aus? Es gibt bestimmt andere Leute, die 19 sind und Oberstufenschüler. Sind die genau wie ich? Wie siehts mit anderen Mario Dederichs aus? Werde ich bald auch als Stern-Reporter arbeiten und eine Biographie über Reinhard Heydrich schreiben?
Was für eine Antwort erwartet man da?
Ich habe mich entschlossen, nur noch eine Antwort auf diese Frage zu geben: „Ich bin ich.“
Na ja. Schlauer sind wir trotzdem nicht.
Zivildienstleistende der Welt, vereinigt euch!
20. Februar 2008
Im Laufe seines Lebens ist der Mensch immer wieder Teil von Gruppen. Jede dieser Gruppen ist definiert durch einen gewissen Zusammenhalt, eine gewisse Ähnlichkeit, einen roten Faden – oder so.
So gibt es Ärzte, Bauarbeiter und Schüler, Homosexuelle und Rentner, Juden, Kommunisten, ganz besonders auch Frauen, es gibt Franzosen, alle sind auch Menschen, da ist jemand auch mal ein Schwarzer (heute: Maximal pigmentierte Person), vielleicht ist er sogar Musiker, Gärtner, ganz sicher aber Sohn – und manchmal, ja, ist ein Mensch auch ein Krimineller.
Alle diese Gruppen haben eine gewisse Kohärenz, irgendetwas, was sie gemein haben, was oft über das Berufsbild, die Eigenschaft oder die Gesinnung hinausgeht. Der Arzt hat den Ärztekongress, der Kommunist engagiert sich in einer Partei und für die Frauen gibt es immerhin riesige Einkaufszentren.
Nur eine Gruppe scheint diese Kriterien nicht zu erfüllen. Da gibt es keinen Zusammenhalt, da gibt es keine Gemeinschaft. Da will jeder nur sein Ding durchziehen. Ja, ich rede von den Zivildienstleistenden.
Im Volksmund auch Zivi geschimpft oder liebevoll als anerkannter Kriegsdienstverweigerer bezeichnet, hat der Zivildienstleistende ein schweres Leben. Denn wer glaubt, dass man als Zivildienstleistender Teil eines sozialen Netzes ist, das einen auffängt, dann liegt man falsch.
Hat irgendjemand schon einmal von einem Internationalen Zivildienstleistendenkongress in Helsinki gehört? Hat einer denn mal mit Freude gesagt, „Ich bin Zivildienstleistender und stolz!“? Wer ist überhaupt gerne Zivildienstleistender? Niemand.
Es sind diese neun Monate, wo man alles gerne ist, nur nicht Zivildienstleistender. Und wer erinnert sich dann? „Damals, als ich Zivildienstleistender war…“. Nein, eher: „Damals, als ich mit der Schule fertig war…“.
Auch die andere Fraktion hat gut reden. Oft werden schallende Reden darüber gehalten, wie schlimm denn doch der Bund war, wie man sich gegen Befehle widersetzt und bis zum Umfallen gesoffen hat. Wie man gelitten hat, mit den anderen, den Wehrpflichtigen. Aber der Zivilidienst? Nö.
Auch auf mich kommt diese Zeit der Nulltoleranz jetzt zu. Heute bin ich noch Oberstufenschüler. Ja, Oberstufenschüler. Das hat einen gewissen Klang. Das klingt elitär, das klingt nach Bildung und das klingt nach Kollegialität. Aber danach? Dann bin ich zwar Abiturient, aber viel eher auch Zivildienstleistender.
Ja, ich höre eure Stimmen! Schallend lacht ihr. Ihr habt T5. Super. Ich habe T2. Fast sogar T1, hätte ich keinen Heuschnupfen. Mich macht das aber nicht stolz. Ich wär viel lieber Ausgemusterter. Ja! Ausgemusterter müsste man sein.
Im Gedenken an die Rollstuhlkavallerie
20. Februar 2008
Es erstaunt mich immer wieder auf’s Neue, in welcher Art und Weise sich Gedanken entwickeln können. Kennt ihr das? Man denkt an irgendetwas, malt Bilder im Kopf, driftet dann aber ab. Jeder kleinste Funken, jede Idee, jeder noch so nichtige Ansatz wird als Anlass genommen, abzuschweifen – und irgendwann denkt man: „Nanu? Wo bin ich denn hier gelandet?“ Vergebens versucht man, den Gedankenweg zu rekonstruieren, bis man durch Zufall wieder beim Ursprung angelangt ist. Kennt ihr das nicht? Schade.
Letztens las ich den Titel einer Band aus meiner Umgebung, die sich ‘Fahrstuhlkavaliere‘ schimpfte. Ein höchst eigenwilliger Titel, den mein Gehirn irgendwo zwischen Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis in eine verstaubte Ecke schob. Dort ruhte das Wort nicht etwa, es entwickelte sich weiter – und mutierte. So wurde aus dem Fahrstuhl schnell ein Rollstuhl. Liegt ja auf der Hand, ein Rollstuhl fährt ja auch, nicht unbedingt vertikal, aber immerhin. Auch die Kavaliere tauschten ihr gutes Benehmen gegen einen berittenen Untersatz und bewaffneten sich. So wurden aus den Kavalieren die Kavallerie. Die so entstandene Rollstuhlkavallerie speicherte sich also in meinem Gedächtnis ab. Für mich hieß die Band jetzt so. Rollstuhlkavallerie.
Ergab ja fast sogar Sinn. Gut, militarisch absolut sinnlos und humanistisch ein Debakel – aber hey, man sagt im Englischen ja auch ‘ride a wheelchair‘. Also kommt es ja nicht von Ungefähr.
Und so speicherte ich die Band Rollstuhlkavallerie in meinem Gedächtnis, bis ich erneut auf den, diesmal korrekten Bandnamen stieß und mich völlig entgeistert fragte: „Nanu? Wie komme ich bitte von Fahrstuhlkavaliere zu Rollstuhlkavallerie?’. Und es erstaunte mich immer wieder auf’s Neue, in welcher Art und Weise sich Gedanken entwickeln können. Kennt ihr das?