Im Laufe seines Lebens ist der Mensch immer wieder Teil von Gruppen. Jede dieser Gruppen ist definiert durch einen gewissen Zusammenhalt, eine gewisse Ähnlichkeit, einen roten Faden - oder so.

So gibt es Ärzte, Bauarbeiter und Schüler, Homosexuelle und Rentner, Juden, Kommunisten, ganz besonders auch Frauen, es gibt Franzosen, alle sind auch Menschen, da ist jemand auch mal ein Schwarzer (heute: Maximal pigmentierte Person), vielleicht ist er sogar Musiker, Gärtner, ganz sicher aber Sohn - und manchmal, ja, ist ein Mensch auch ein Krimineller.
Alle diese Gruppen haben eine gewisse Kohärenz, irgendetwas, was sie gemein haben, was oft über das Berufsbild, die Eigenschaft oder die Gesinnung hinausgeht. Der Arzt hat den Ärztekongress, der Kommunist engagiert sich in einer Partei und für die Frauen gibt es immerhin riesige Einkaufszentren.

Nur eine Gruppe scheint diese Kriterien nicht zu erfüllen. Da gibt es keinen Zusammenhalt, da gibt es keine Gemeinschaft. Da will jeder nur sein Ding durchziehen. Ja, ich rede von den Zivildienstleistenden.

Im Volksmund auch Zivi geschimpft oder liebevoll als anerkannter Kriegsdienstverweigerer bezeichnet, hat der Zivildienstleistende ein schweres Leben. Denn wer glaubt, dass man als Zivildienstleistender Teil eines sozialen Netzes ist, das einen auffängt, dann liegt man falsch.
Hat irgendjemand schon einmal von einem Internationalen Zivildienstleistendenkongress in Helsinki gehört? Hat einer denn mal mit Freude gesagt, “Ich bin Zivildienstleistender und stolz!”? Wer ist überhaupt gerne Zivildienstleistender? Niemand.

Es sind diese neun Monate, wo man alles gerne ist, nur nicht Zivildienstleistender. Und wer erinnert sich dann? “Damals, als ich Zivildienstleistender war…”. Nein, eher: “Damals, als ich mit der Schule fertig war…”.

Auch die andere Fraktion hat gut reden. Oft werden schallende Reden darüber gehalten, wie schlimm denn doch der Bund war, wie man sich gegen Befehle widersetzt und bis zum Umfallen gesoffen hat. Wie man gelitten hat, mit den anderen, den Wehrpflichtigen. Aber der Zivilidienst? Nö.

Auch auf mich kommt diese Zeit der Nulltoleranz jetzt zu. Heute bin ich noch Oberstufenschüler. Ja, Oberstufenschüler. Das hat einen gewissen Klang. Das klingt elitär, das klingt nach Bildung und das klingt nach Kollegialität. Aber danach? Dann bin ich zwar Abiturient, aber viel eher auch Zivildienstleistender.

Ja, ich höre eure Stimmen! Schallend lacht ihr. Ihr habt T5. Super. Ich habe T2. Fast sogar T1, hätte ich keinen Heuschnupfen. Mich macht das aber nicht stolz. Ich wär viel lieber Ausgemusterter. Ja! Ausgemusterter müsste man sein.

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